Steuervorteile für Photovoltaik-Produkte ab 2026 beendet
China ändert seine Steuerpraxis für Photovoltaik-Exporte grundlegend. Ab April 2026 entfallen die Mehrwertsteuer-Rückerstattungen für Wafer, Solarzellen und Module. Batterieprodukte erhalten nur noch befristete Vergünstigungen. Die Maßnahme beendet einen langjährigen Wettbewerbsvorteil der Branche.
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1. Strategiewechsel bei Chinas Solar-Exportpolitik
China stellt seine bisherige Steuerpraxis für Photovoltaik-Exporte grundlegend um. Ab April 2026 entfallen die bislang gewährten Mehrwertsteuer-Rückerstattungen für zentrale Produkte der Solarindustrie. Das chinesische Finanzministerium bestätigte, dass Wafer, Solarzellen und Module künftig ohne steuerliche Exportvergünstigungen ausgeführt werden. Für Batterieprodukte ist ein befristeter Übergang vorgesehen. Der Schritt markiert einen Einschnitt für eine Branche, die über Jahre von fiskalischen Vorteilen im internationalen Wettbewerb profitiert hat.
Die Entscheidung gilt als Signal für eine strategische Neuausrichtung der Industriepolitik. Anstelle einer exportorientierten Mengenstrategie sollen Effizienz, technologische Leistungsfähigkeit und strukturelle Stabilität stärker in den Vordergrund rücken. Internationale Marktteilnehmer rechnen mit Anpassungen bei Preisen, Lieferketten und Investitionsentscheidungen.
2. Neue Rahmenbedingungen für Photovoltaik-Exporte
Konkret sieht die Neuregelung vor, dass ab dem 1. April 2026 keine Mehrwertsteuer-Rückerstattungen mehr für Photovoltaikprodukte gewährt werden. Betroffen sind sowohl Vorprodukte wie Wafer und Solarzellen als auch fertige Module. Bislang konnten Hersteller die beim Export gezahlte Mehrwertsteuer ganz oder teilweise zurückfordern, was die Kostenbasis deutlich senkte und chinesischen Anbietern einen Wettbewerbsvorteil verschaffte.
Mit dem Wegfall dieser Rückerstattungen verändert sich die Kalkulation grundlegend. Die nicht erstattete Steuer fließt künftig direkt in die Produktions- und Exportkosten ein. Für Hersteller bedeutet das eine Neubewertung ihrer Preisstrategien und Margen. Internationale Abnehmer dürften stärker mit Kostenanpassungen konfrontiert werden, insbesondere bei langfristigen Lieferverträgen.
Für Batterieprodukte setzt China auf einen gestaffelten Ausstieg. Zwischen April und Dezember 2026 sinkt der Rückerstattungssatz von neun auf sechs Prozent. Ab Januar 2027 entfallen auch hier sämtliche steuerlichen Vorteile. Dieser Übergangszeitraum soll Unternehmen ermöglichen, Produktions- und Lieferketten schrittweise anzupassen und bestehende Verträge neu zu strukturieren.
3. Warum China den Kurs ändert
Die Maßnahme erfolgt vor dem Hintergrund stark gewachsener Produktionskapazitäten und zunehmender Spannungen im internationalen Handel. In der Solar- und Batteriewirtschaft haben sich in den vergangenen Jahren erhebliche Überkapazitäten aufgebaut, begleitet von intensivem Preiswettbewerb und sinkenden Margen. Gleichzeitig gerieten chinesische Exporte zunehmend in den Fokus handelspolitischer Debatten.
Mit der Abschaffung der Exportvergünstigungen reagiert die Regierung auf diese strukturellen Herausforderungen. Ziel ist es, den Wettbewerb weniger über staatliche Kostenvorteile und stärker über technologische Qualität, Effizienz und Innovationskraft zu steuern. Langfristig soll die Branche stabiler und weniger abhängig von fiskalischen Anreizen werden.
4. Die Einschätzung der Wirtschaftsexperten
Die Ankündigung wird in Wirtschaft und Industrie als Signal für einen tiefgreifenden Kurswechsel interpretiert. Fachleute erwarten, dass sich Wettbewerbsbedingungen und Geschäftsmodelle chinesischer Hersteller spürbar verändern werden.
Ge Yuyu, Associate Professor am Shanghai National Accounting Institute, erklärt dazu:
„Die Beendigung der steuerlichen Exportvorteile verändert die Wettbewerbslogik. Unternehmen werden stärker über Qualität, Technologie und Wertschöpfung konkurrieren müssen.“
Aus Sicht von Marktbeobachtern unterstreicht diese Einschätzung, dass sich die chinesische Solarindustrie künftig weniger auf staatliche Kostenvorteile stützen kann. Stattdessen rücken Innovationsfähigkeit, Effizienz und langfristige Positionierung im globalen Wettbewerb stärker in den Mittelpunkt.
5. Folgen für Preise und Lieferketten
Kurzfristig erwarten Marktanalysten Vorzieheffekte bei Exporten. Hersteller könnten versuchen, Lieferungen noch vor Inkrafttreten der neuen Regelung abzuwickeln, um bestehende Steuervorteile zu nutzen. Solche Effekte dürften jedoch zeitlich begrenzt bleiben und die strukturellen Veränderungen nicht aufhalten.
Mittelfristig verändert sich die Kostenstruktur chinesischer Anbieter spürbar. Ein Teil der zusätzlichen Belastung könnte über höhere Preise an internationale Kunden weitergegeben werden, während andere Hersteller versuchen dürften, Effizienzpotenziale zu heben oder Margen zu reduzieren.
6. Perspektiven für den internationalen Photovoltaikmarkt
Der Wegfall der chinesischen Exportvergünstigungen stellt eine Zäsur für den globalen Solarmarkt dar. Langfristig könnte sich der Wettbewerb stärker an Qualität und technologischer Leistungsfähigkeit orientieren.
Ebenso dürfte die Entscheidung auch die globalen Lieferketten beeinflussen. Abnehmer in Europa, den USA und anderen Importmärkten könnten ihre Beschaffungsstrategien breiter aufstellen, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Gleichzeitig erhalten Produktionsstandorte außerhalb Chinas potenziell neue Chancen, sich im internationalen Wettbewerb zu positionieren und Marktanteile zu gewinnen.


